74 Die Erfindung des Schweigens 02

Teaser

Eine kleine Soziologie zum Verhalten des Publikums in der Oper von 1600 bis heute

Synopsis

Dass das Publikum im Opernhaus schweigt, sobald der Vorhang sich hebt, sobald der Dirigent seinen Taktstock hebt, ist heute allgemein üblich, war aber in der rund 400-jährigen Geschichte der Oper in Europa keineswegs von Anfang an so. Im Gegenteil – das Schweigen musste er erfunden werden und konnte sich erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein durchsetzen. Zuvor war die Oper nur ein Beiwerk für ein Publikum, das gewohnt war im Opernhaus zu schwatzen, zu flanieren, zu essen und trinken, sowie jeder Art von Geschäften nachzugehen. Uli Aumüller hat versucht, die ursprünglichen Verhaltensweisen zu rekonstruieren und nach den Gründen zu suchen, die zu den heutigen Standards führten.

Im zweiten Teil möchte ich ihnen die Geschichte des Schweigens erzählen. Die Geschichte des Schweigens in der Oper, von den Anfängen bis heute.

Wie besuchen die ersten öffentlichen Opernhäuser in Venedig – reisen gleich zweimal nach London, außerdem nach Bayreuth, Hof und Hamburg.

Musik: Ouvertüre Artaserse von J. A. Hasse

Zur Ouvertüre dieser Folge die einleitende Sinfonia zur Oper Artaserse von Johann Adolph Hasse, gespielt von Les Talents Lyriques unter der Leitung von Christophe Rousset.

Nach dem Tod des Herzogs Vincenzo Gonzaga von Mantua 1612 wurde Claudio Monteverdi aus dessen Diensten entlassen. Er schrieb für andere höfische Auftraggeber weitere musiktheatralische Werke, die uns leider nicht überliefert sind. Erhalten hat sich erst die Partitur seines „Il Ritorno d´Ulisse in Patria“ – „Die Heimkehr des Odysseus“ – wobei wir uns unter Partitur heute etwas Anderes vorstellen – und zwar ein Buch, in dem für jede Stimme, für jedes Instrument genau auf notiert ist, was es wann zu spielen hat. Das ist bei Monteverdi anders -und es war zu seiner Zeit auch nicht üblich, mehr aufzuschreiben als die Noten für den Gesang und vielleicht die Ziffern für den Generalbass – vieles wurde improvisiert, die verschiedenen Stile genuesisch, römisch, neapolitanisch beherrschten die Musiker aus dem Stand –waren damit groß geworden. Es gab nicht wirklich einen Unterschied zwischen dem Komponisten und dem Interpreten einer Musik. Der Komponist saß selbstverständlich am Cembalo oder an der Gambe - und vor allen Dingen mussten die Musiker damals – um das Jahr 1640 – flexibel reagieren können. Sie spielten nicht vor einem schweigenden, disziplinierten Publikum – auf der Bühne gab es keine wochenlang einstudierte Regie, sondern die Sänger agierten spontan, ebenso wie sie es für angemessen hielten. Und das Publikum forderte Zugaben – nicht nur Wiederholungen, das dacapo einer Arie, sondern mitten in der Oper gern auch ganz andere Arien aus ganz anderen Zusammenhängen, wenn ihnen der Sänger gerade gefiel, die nicht unbedingt aus demselben Stück stammen brauchten – die Entscheidung, was wann gesungen wurde, lag im Zweifelsfall bei den Sängern.

Wir sprechen hier nicht mehr von dieser Gattung Oper, die wie die Euridice von Jacopo Peri oder der Orfeo von Claudio Monteverdi für ein höfisches Fest und einen Kreis von Musikliebhabern komponiert und aufgeführt wurden, nein, wir sprechen von jenen Opern, die für die ersten privat betriebenen öffentlichen Opernhäuser konzipiert waren. 1637 eröffnete in Venedig mit Francesco Manellis vorlorengegangener Oper L`Andromeda das Teatro San Cassiano das erste bürgerliche Musiktheater – das, im Gegensatz zu den höfischen Veranstaltungen, die gesamten Unkosten einer Opernproduktion aus den Einnahmen decken musste. Alle Zuschauer, gleich welchen Standes, mussten Eintritt bezahlen – die Oper war keine exklusive Veranstaltung mehr für eine überschaubare Anzahl geladener Gäste, sondern sie wurde öffentlich – sie stand offen für jeden, der zahlen konnte. Die Mehrheit der Besucher waren nicht mehr die Adeligen, sondern gehobene Bürger. Es gibt einen Theaterzettel aus jener Zeit, der anzeigt, wer welche Loge gemietet hatte. Die erkennbar adligen Namen sind in der Minderheit.

Manuskript zur Sendung

Gespräche mit Sven Oliver Müller

Exposé für den geplanten Film

Handschriftliches Drehbuch für den geplanten Film

Kritik Süddeutsche Zeitung

Diese Produktion kann als CD zum Preis von 12,80 € bei der inpetto filmproduktion bestellt werden. Bitte schreiben Sie eine mail an: bestellungen@inpetto-filmproduktion.de

Cast & Crew

Regie
Uli Aumüller (Text)
Drehbuch
Sven Oliver Müller
Redakteur
Bettina Winkler