76 Die Erfindung des Schweigens 04

Teaser

Eine kleine Soziologie zum Verhalten des Publikums in der Oper von 1600 bis heute

Synopsis

Dass das Publikum im Opernhaus schweigt, sobald der Vorhang sich hebt, sobald der Dirigent seinen Taktstock hebt, ist heute allgemein üblich, war aber in der rund 400-jährigen Geschichte der Oper in Europa keineswegs von Anfang an so. Im Gegenteil – das Schweigen musste er erfunden werden und konnte sich erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein durchsetzen. Zuvor war die Oper nur ein Beiwerk für ein Publikum, das gewohnt war im Opernhaus zu schwatzen, zu flanieren, zu essen und trinken, sowie jeder Art von Geschäften nachzugehen. Uli Aumüller hat versucht, die ursprünglichen Verhaltensweisen zu rekonstruieren und nach den Gründen zu suchen, die zu den heutigen Standards führten.

Im vierten Teil Woche möchte ich ihnen die Geschichte des Schweigens erzählen. Die Geschichte des Schweigens in der Oper, von den Anfängen bis heute.

Wir wenden uns in unserer Geschichte der großen Politik zu, die immer wieder in den Opernhäusern ausgefochten wurde. Wir pilgern nach Bayreuth, werden Augenzeugen in Neapel und erleben einen Aufstand in Brüssel.
Musik: Wagner / Vorspiel aus den Meistersingern …

Das war das Vorspiel zu Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ mit der Staatskapelle Dresden unter Herbert von Karajan.

Gegen Ende des 18ten Jahrhunderts erfährt Musik und später auch das Musiktheater eine ungeheure Aufwertung – war sie zuvor eine eher dienende Kunst, ein Beiwerk, rückt sie nun in das Zentrum der Aufmerksamkeit, als Ort der Entrückung und transzendenter, metaphysischer Erfahrung. Autoren wie Jean Paul, Wilhelm Heinse, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Clemens Brentano – später E.T.A. Hoffmann, Eduard Mörike setzen ihr ein Denkmal und etablieren den Typus des schwärmerischen, beim Musikgenuss schweigenden, enthusiastischen Hörer. Verstand und Empfindung sollten ihn gleichermaßen leiten. Auch die Philosophie nimmt sich der Musik an – Immanuel Kant im fernen Königsberg widmet ihr genauso tiefsinnige Reflexionen wie später Georg Wilhelm Friedrich Hegel, wobei beide Denker es getreulich vermieden zu erwähnen, auf welche Musik, wenn schon nicht Kompositionen, so doch wenigstens Gattungen sie ihre Gedanken bezogen – aber das steht auf einem anderen Blatt. E.T.A. Hoffmann ist da wesentlich präziser – er meinte die 5. Symphonie, er meinte die Kammermusik von Beethoven. Mörike schrieb über Mozarts Don Giovanni, und lieferte genügend Vokabeln, Figuren, Metaphern, dass sich das gebildete belesene Publikum untereinander über Musik, ihre Höhen und Tiefen, unterhalten konnte. Umso mehr, da im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert die Musik aus dem Konzert und der Oper zu Hause am Clavichord oder Pianoforte immer häufiger nachgespielt wurde. Hier haben die Notenverlage ihren Markt und auch die Klavierbauer. Es gehört zum guten Ton, dass die Tochter des Hauses Klavier spielen kann, und sei es zur Abendunterhaltung ihrer Familie oder für ihren zukünftigen Gatten.

Manuskript zur Sendung

Gespräche mit Sven Oliver Müller

Exposé für den geplanten Film

Handschriftliches Drehbuch für den geplanten Film

Kritik Süddeutsche Zeitung

Diese Produktion kann als CD zum Preis von 12,80 € bei der inpetto filmproduktion bestellt werden. Bitte schreiben Sie eine mail an: bestellungen@inpetto-filmproduktion.de

Cast & Crew

Regie
Uli Aumüller (Text)
Drehbuch
Sven Oliver Müller
Redakteur
Bettina Winkler