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Daniel Hope
(Schwedisches Fernsehen SVT 57 min.)

und

Daniel Hope spielt Mendelssohn-Bartholdy
(ZDF/arte 43 min.)

Ein Film in zwei Fassungen von Gösta Courkamp

Ausschnitt ansehen

Interview (Englisch)

Künstlerbiographien gibt es zuhauf. Viele interessant – nicht alle besonders.
Deshalb ist es meistens nicht sehr aufschlußreich, diese vorzustellen. Im Fall von Daniel Hope muss jedoch eine Ausnahme gemacht werden:

Geboren in Südafrika, mit deutschen Vorfahren jüdischen Glaubens, die wegen der Naziverfolgung aus Berlin fliehen mussten, dann mit der Familie nach England emigriert, weil sein Vater, ein Schriftsteller, wegen seines Einsatzes gegen die Apartheid auswandern musste (dort nahm Yehudi Menuhin den jungen Daniel unter seine Fittiche) – dann die irische Staatsbürgerschaft angenommen, weil weiße Südafrikaner in Großbritannien nicht wohl gelitten waren – katholisch getauft, später  protestantisch konfirmiert lebt Daniel Hope mit seiner deutschen Frau in Amsterdam und Hamburg.
Für all diese unterschiedlichen Einflüsse, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts abbilden, findet Daniel Hope eine Sprache, die unabhängig ist, und mit der er zum Ausdruck bringen kann, was alles verbindet: die Musik.

Mit gerade einmal 33 Jahren gehört Daniel Hope schon jetzt zur ersten Garde der großen Geiger.

In Stockholm trifft er auf ein anderes, ebenfalls noch sehr junges Ausnahmetalent: Daniel Harding, den musikalischen Direktor des Schwedischen Radiosinfonieorchesters (der außerdem noch Musikalischer Direktor des Mahler Chamber Orchestra sowie ständiger Gastdirigent des London Symphony Orchestra ist).

Zusammen spielen sie in den Berwaldhallen eines der schönsten und bekanntesten Violinkonzerte der Musikgeschichte: Mendelssohn-Bartholdys „e-moll Konzert op.64“ und zwar in der selten gespielten Urfassung.
Wenn man sich diese ansieht, versteht man, warum so viele Geiger vor ihr zurückschrecken, verlangt sie dem Virtuosen doch ein ungleich höheres technisches Können ab, als die von Mendelssohn damals für den Geiger Ferdinand David „geschmeidig“ gemachte, heutzutage meistens gespielte „letzte“ Fassung.

Es ist dies die erste Zusammenarbeit von Daniel Hope- und Harding, obwohl sie einander schon seit Ewigkeiten persönlich kennen und schätzen.

Das kongeniale Zusammenspiel der beiden charismatischen Musiker dokumentiert der Film in Bildern, wie man sie in dieser Intimität bei Konzertaufnahmen nur selten zu sehen bekommt.
Die Ästhetik des Films trägt dem mit schneller, für das Sujet „Klassik“ ungewöhnlicher, etwas „gegen den Strich gebürsteter“ Schnittfolge Rechnung und ist stets „nah am Geschehen“ – auch als Kommentar der undogmatischen Begeisterung und Frische, mit der die beiden „Daniels“ musizieren.

Sieht man Hope und Harding am „Werk“, möchte man meinen, dass ein gefühlvoller Choreograph den Auftritt inszenierte – und doch ist es allein die Musik, welche die beiden trägt – in eine Sphäre, die vielen Musikern verschlossen bleibt. Wie die beiden von Musik durchdrungen sind und dieses Phänomen vermitteln, kann man aber sehr wohl sehen, mitfühlen und spüren.

Während die ZDF/arte-Fassung des Films sich auf Hopes Auseinandersetzung mit Mendelssohn fokussiert, richtet die „schwedische“ Fassung auch noch das Augenmerk auf eine weitere, nicht unwichtige Facette Daniel Hopes.
Wie erwähnt, hat seine Familie eine bewegte Geschichte durchlebt und Hope eine starke Affinität zur jüdischen Kultur.

Er beschreibt in der neu eröffneten, wunderschön restaurierten Synagoge Rykestraße in Berlin (auch dieses ein Zeichen, das Mut machen kann) diesen für ihn wesentlichen Einfluß und spielt Erwin Schulhoffs „Sonate für Solovioline - Andante cantabile“ sowie Maurice Ravels „Kaddish“ in einer eigenen Bearbeitung. Beide Stücke liegen ihm so am Herzen, dass er sie immer wieder auch als Zugaben bei seinen zahlreichen Konzerten in aller Welt gibt.

Die „Schwedische Fassung“ des Films wurde im Januar 2008 gesendet und erreichte spontan eine Zuschauerquote von 8% – für Beiträge über klassische Musik ein einsamer Spitzenwert.

Nach einem Besuch von Mendelssohns Grab auf dem Berliner Dreifaltigkeitsfriedhof begeben wir uns in die beeindruckende Kulisse des Berliner Konzerthauses, gleich um die Ecke des ehemaligen Wohnsitzes der Mendelssohns am Gendarmenmarkt gelegen – sozusagen auf Felix Mendelssohn-Bartholdys ureigenstes Terrain.

Mit Daniel Hopes Transkriptionen von Mendelssohn-Bartholdys Liedern „Suleika“ und „Hexenlied“, inszeniert im Berliner Konzerthaus und am Piano von Sebastian Knauer begleitet, schließt sich dann der Kreis.

„Musik infiziert einen, ohne dass man es will, unabhängig von Sprache, Nationalität oder Glauben. Wenn man bereit ist, die Ohren weit aufzumachen, ist es das Schönste, was es gibt.“ (Daniel Hope)