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Mon Cinéma pour l´Oreille
Die musique concrète von Francis Dhomont und Paul Lansky

Film von Uli Aumüller

Dokumentation für das Zweite Deutsche Fernsehen / ARTE 2000
Beta SP – 4/3 – 60 min. - Stereo
Kamera:
Christopher Rowe, bvk, Günther Uttendorfer / Ton: David Aumüller, Mario Gauthier / Animation: Robert Darroll / Schnitt: Bernhard Schönherr

DVD zum Preis von 20,00 €

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Film herunterladen (7,00 €)

Essay
Kritiken
Manuskript Radiosendung
Dhomont und Calon am See
Dhomont und Lansky in der Küche
Dhomont und Lansky im Auto
Francis und Christian auf dem Felsen
Interview Francis Dhomont
Jean und Dhomont im Studio

Im Mittelpunkt dieses inszenierten Dokumentarfilms steht die Arbeit des franko-kanadischen Komponisten Francis Dhomont, Schüler des legendären Begründers der musique concrète, Pierre Schaeffer. Der Film handelt also davon, wie man mit Geräuschen, Mikrophon, Tonband und Computer Musik machen kann. Francis Dhomont hat für diesen Film den Auftrag bekommen, an Hand des Gedichtes von Antonio Vivaldi zu dessen Komposition „Der Frühling“ – einen neuen, einen anderen Frühling zu komponieren, mit den Geräuschen, die Vivaldi benannt hat: u.a. Vögelgesänge, Bachplätschern, Windrauschen, Donnergrollen – und Hundebellen.

Dhomont nimmt diese Geräusche auf (Drehort ist Kanada), Passagen, die manche Filme von Jacques Tati zitieren, und verarbeitet sie in seinem Studio weiter, verfremdet sie, kombiniert sie neu... er reflektiert darüber, dass das Komponieren von musique concrète der Arbeit des Filmregisseurs sehr ähnlich ist. Das Zurückspulen, das Wieder-neu-Ansetzen, das Schneiden, Mischen und Verändern – die nachträgliche Bearbeitung der Geschwindigkeit, der Farben, der Tonwerte. Schon Debussy hatte von der Kreation von Bildern gesprochen.

Darüber hinaus setzt in dem Film ein weiteres Spiel ein: Sich mit dem Mikrophon einem Geräusch mikroskopisch zu nähern, verändert die Form seiner Wahrnehmung. Das Geräusch wird abstrakter, und damit eigentlich musikalischer. Genauso im Bild. Je näher die Kamera an ein Objekt herankommt, desto abstrakter wird es: Nicht mehr ein gegenständliches Bild, sondern eine Komposition von Farben, Flächen, Strukturen, d.h. Texturen. Untersuchungsobjekt wird ein Fluss, ein Bach, gehört und gesehen aus mehreren Perspektiven, komponiert in immer näherer Perspektive, kubistisch sozusagen, bis die Wahrnehmung umschlägt in reine Abstraktion – und wieder zurück in die ursprüngliche Gegenständlichkeit. Die Ästhetik der musique concrète wird zurückübersetzt in eine mögliche Sprache des Films.

Zentraler Gegenstand des Films wird die Wahrnehmung: Von Visuellem und Akustischem – und wie sie sich gegenseitig kontextualisieren. Wie man diese Kontexte wieder lösen und neu zusammensetzen kann. Wie also der Kontext, d.h. die Komposition, die Wahrnehmung fokussiert.

Francis Dhomont begegnet Paul Lansky, einem Komponisten aus Princeton, USA. Sie überqueren eine Brücke, während sie sich über die Komponierbarkeit von Stadtgeräuschen unterhalten. Wie zuvor das Wasser löst sich auch die Brücke in ihre akustischen und visuellen Bestandteile auf, sozusagen eine hommage an Walter Ruttmann, aber doch wieder ganz etwas anders. Kubistisch zerlegen und neu zusammensetzen ist auch hier das Thema, die Herstellung von imaginierten Räumen.

Das Gespräch wird fortgesetzt in Dhomonts Küche – und fokussiert sich auf Tassengeklimper – ob man es in elektroakustischer Musik wieder erkennen muss. Genügt die physische Geste oder muss das Geräusch annähernd seinen Ursprung bekannt geben? Der eine sagt „ja“, der andere sagt „nein“ – und fast entsteht so etwas wie ein Streit. Denn es gibt verschiedene Schulen innerhalb der Geräuschmusikkomponisten.

Und so weiter und so weiter...

Am Ende des Films steht eine Sequenz, die am Inferno des ZKM in Karlsruhe entstanden ist, einem Hochleistungscomputer zur elektronischen Bildbearbeitung. Der nahe liegende Gedanke war, dass zur Musik von Francis Dhomont, seiner Neukomposition des „Frühlings“ nach Vivaldi, die Bilder genauso elektronisch verwandelt werden sollten, wie Dhomont es auch mit den Geräuschen gemacht hat. Ein elektrovisuelles Video zur elektroakustischen Musik (gestaltet von Robert Darroll)– im Formprozess des Filmes ist es die Coda, man kann sich diese Schlusssequenz aber auch einfach nur so anschauen – weiß aber mehr, wenn man die restlichen 55 Minuten des Film zuvor gesehen hat.

In dieser Sequenz laufen alle Fäden des Films zusammen: der Film ist eine Dokumentation der Kreation dieser Schlusssequenz – d.h. also, man könnte sagen: Weil die Schlusssequenz nur Material der Dokumentation verarbeitet, ist dieser Film die Dokumentation seiner selbst, und die vielen Geschichten mit und von Francis Dhomont und Paul Lansky gibt es obendrein, als Zugabe.