Die Komposition Dead-Wire von Iris ter Schiphorst

Allein der Titel wirft Fragen auf. Dead Wire – dissociative fugue. Komposition für Klavier solo und Live Elektronik von Iris ter Schiphorst. Und es gibt noch mindestens einen weiteren – ebenfalls englischsprachigen – Untertitel: Psychotechnics of keyboards. Neben der unklaren Bedeutung der vielen Titel gibt es noch ein weiteres Problem: Man hört die Musik nur zur Hälfte, wenn man sie nicht sieht. Und man muss sich die Klänge über x Lautsprecher im Raum verteilt und wandernd vorstellen – ein Raumgefühl, das sich im Stereo-Radio nur schwerlich darstellen lässt. Die Debatte, von der sich Iris ter Schiphorst für ihre Komposition anregen ließ, liegt bereits 250 Jahre in der Vergangenheit, als das frühe Bürgertum mit den spieltechnischen Möglichkeiten des Clavichords gegen das barocke Cembalo aufbegehrten und damit den Grundsteine für die romantische Gefühlsästhetik und die Musikwissenschaft legten. Der Verdacht liegt allerdings nahe (und genau das ist Iris ter Schiphorst Thema), dass mit »Gefühlen« letztens Ende eine Maschine im Kopf gemeint war.

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gestaltung: berndt & fischer, berlin | foto: aumüller Buy CD 12.80 €
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