Von Herzen - möge es wieder - zu Herzen gehen 59:45 min min

Frieder Bernius probt aus Anlass des 50-jährigen Bestehens seines Stuttgarter Kammerchores die Missa solemnis op. 123 von Ludwig van Beethoven. Mit Johanna Winkel, Sopran | Sophie Harmsen, Alt | Sebastian Kohlhepp, Tenor | Arttu Kataja, Bass und der Hofkapelle Stuttgart.

Der Filmemacher Uli Aumüller hat Frieder Bernius begleitet, wie er sich des Spätwerks Ludwig van Beethovens, seiner Missa solemnis op. 123, annahm. Wie er die Partitur Beethovens genauestens studierte, die Noten für jeden Musiker präzise bezeichnete (was zu Beethovens Zeiten noch alles andere als üblich war). Aumüller beobachtete mit vielen Kameras den gesamten Probenprozess, die Einzelproben nur mit den Stimmführern des Orchesters, nur mit den Streichern, nur mit Bläsern oder einzelnen Stimmgruppen des Chores, er filmte, wie Bernius mit jedem (!) Chorsänger einzeln probte, wie Bernius sich das vielstimmige Werk am Klavier erspielte, damit er es in seinen Fingern fühlen kann, wie er sagte. Der Film zeigt, wie lang sich der Dirigent in ein Werk hineinarbeiten und versenken muss, bevor er bei der ersten Probe auf das Dirigentenpult steigt, und wie am Ende eine Interpretation der Missa solemnis herauskommt, über deren CD-Aufnahme die Presse jubiliert.

50 Jahre Stuttgarter Kammerchor

Gut 50 Jahre ist es her, dass Frieder Bernius seinen Kammerchor Stuttgart gründet - und nun, er selbst ist schon über die 70 hinaus, nimmt er dieses Jubiläum zum Anlass, um sich zum zweiten Mal in seiner Laufbahn an das Spätwerk und opus summum Ludwig van Beethovens, seiner Missa solemnis op. 123, zu wagen. Frieder Bernius hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten große Verdienste um die Chorkultur vor allem in Baden-Württemberg erworben. Er gilt als Perfektionist, der Maßstäbe setzt und Vorbild für viele Chöre und deren Leiterinnen und Leiter ist. Bernius ist berühmt für einen runden vollen Ton, sinnlich und warm. Er gilt als Meister der leisen Nuancen - also genau das Gegenteil dessen, wofür die Missa solemnis Ludwig van Beethovens steht. Selbst Nikolaus Harnoncourt hat sie mit riesigem Chor und Orchester, brüllenden Solistinnen und Solisten mehr schreien als singen lassen. Filmemacher Uli Aumüller hat Frieder Bernius begleitet. Er zeigt, wie er die Herausforderung annahm, die Partitur Beethovens genauestens zu studieren, die Noten für jeden Musiker präzise zu bezeichnen (was zu Beethovens Zeiten noch alles andere als üblich war). Der Film lässt erleben, wie Bernius mit jeder Chorsängerin und jedem Chorsänger einzeln probt, wie er sich das vielstimmige Werk am Klavier erspielt, bis er es in seinen Fingern fühlen kann, wie er sagt. Mit vielen Kameras beobachtete Aumüller den gesamten Probenprozess, die Einzelproben nur mit den Stimmführern des Orchesters, nur mit den Streichern, nur mit den Bläsern oder einzelnen Stimmgruppen des Chores. Er war mit der Kamera dabei, als Bernius in der Klosterkirche von Alpirsbach Stück für Stück mit unendlich vielen Wiederholungen die Missa solemnis für eine CD aufnahm - all dies, um das Handwerk, das musikalischen Genie von Frieder Bernius besser verstehen zu können. Wann ist es Inspiration, wann ist es einfach nur mühsame, fleißige und unermüdliche Arbeit, wann beides? In Aumüllers Film erfährt man die Vielschichtigkeit des Berufes eines Dirigenten, wie lange er sich in ein Werk hineinarbeiten und versenken muss, bevor er bei der ersten Probe auf das Dirigentenpult steigt. Auch, welche wunderbare Musik zum Vorschein kommt, wenn nur ein Teil des Orchesters oder nur einzelne Chormitglieder musizieren, und wie sich alle Teile und Schichten im Laufe der Probenphase langsam zu einem Ganzen zusammensetzen. Am Ende kommt eine Interpretation der Missa solemnis von Frieder Bernius heraus, über deren CD-Aufnahme die Presse jubiliert: "Das Wesentliche ist, dass er das Werk als ein einheitliches Gefüge begreift, in dem alles mit allem in Beziehung steht. Er ist auf einem gesunden Ausgleich bedacht."